1) Nahrungsmittelallergien (06/12)
Dr. Rosemarie Benke-Bursian
Allergien sind allgegenwärtig und die Nahrungsmittelallergie ist nur eine von vielen. Bei ihr reagiert der Körper auf einen
Nahrungsbestandteil, dem sogenannten Allergen, mit typischen Symptomen: Hautausschlag, Atemnot und Magenbeschwerden, um nur die wichtigsten zu nennen.
Bei der Allergie reagiert – im Unterschied zur Nahrungsmittelunverträglichkeit - ein System, das gar nicht reagieren sollte: das Immunsystem. Es schießt sozusagen über, denn es behandelt einen
harmlosen Stoff wie einen Krankheitserreger, den es zu vernichten gilt. Histamin wird freigesetzt und erweitert die Blutgefäße. In Folge entstehen Schnupfen, Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und
Entzündungen.
Im Prinzip kann jedes Nahrungsmittel eine Allergie auslösen, doch gibt es einige, die das auffallend häufig tun wie z.B. Nüsse, Früchte,
Hühnereiweiß, Kuhmilch und Schalentiere.
Bei Nahrungsmittelallergien reagiert vor allem die Haut, die Stärke der Reaktion ist unter anderem vom Grad der Sensibilisierung abhängig, also wie intensiv die Person bereits Kontakt mit dem
Allergen hatte.
Die Reaktion kann unmittelbar erfolgen aber auch noch Tage später. Am bedrohlichsten ist der anaphylaktische Schock, ein rapider
Blutdruckabfall, der im Gehirn zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff führt, ein solcher Schock kann daher tödlich verlaufen. Bei Nahrungsmittelallergien ist der anaphylaktische Schock allerdings
selten.
Abhilfe schafft nur die Vermeidung der entsprechenden Speisen, weshalb ein Arzt den Stoff ausfindig machen muss. Droht ein anaphylaktischer
Schock, erhalten die Betroffenen ein Notfall-Set. Eine Desensibilisierung ist meist weniger erfolgreich.
Viele Nahrungsmittelallergien entstehen im Kindesalter, Großstadtkinder sind häufiger betroffen. Als Ursache ist der Feinstaub in der
Diskussion, der das Immunsystem übermäßig belastet, sowie eine übertriebene Hygiene im Kindesalter, die das Immunsystem zu wenig trainiert.
2) Zöliakie - Gluten - Symptome (06/12)
Dr. Rosemarie Benke-Bursian
Wer kennt das nicht: Bauchschmerzen und Blähungen nach dem Essen. Dann war es vielleicht doch zu viel des Guten oder man hat etwas nicht
vertragen. Kommen Übelkeit und Erbrechen dazu, war das Essen nicht in Ordnung. Bei Durchfall denkt man auch an einen Magen-Darm-Infekt.
Die Erklärungen sind schnell gefunden, alles nicht so schlimm, geht wieder vorbei.
Und so leiden Hunderttausende unter einer Erkrankung, der Zöliakie, 70-80% von ihnen ohne es zu wissen. Die Symptome sind vielfältig. Neben
Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall sind das auch so unspezifische wie Unwohlsein, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit. Bei Belastung können die Symptome sich verstärken. Oftmals wird die Erkrankung
daher mit einem Reizdarm-Syndrom verwechselt.
Doch bei der Zöliakie handelt es sich um eine Entzündung der Dünndarmzotten, die aufgrund einer Nahrungsmittelunverträglichkeit mit einem Eiweißstoff entsteht: dem Gluten.
Gluten kommt vor allem in Getreidemehl vor und wird auch Klebereiweiß genannt, denn in Verbindung mit Wasser bildet es eine klebrig teigige
Masse. Damit steckt es in so alltäglichen Nahrungsmitteln wie Brot und Nudeln sowie in vielen Fertiggerichten wie Pizza.
Durch die permanente Entzündung verkümmern die Darmzotten und können wichtige Nährstoffe nicht mehr aufnehmen. Unbehandelt kann die
Zöliakie daher zu schweren Mangelerscheinungen führen. Das Risiko für Folgeerkrankungen und Darmkrebs steigt. Bei Kindern kann es auch zu Wachstumsstörungen kommen.
Zöliakie kann bereits im Alter von 6 Monaten auftreten, wenn die Kleinen anfangen Getreide zu essen, doch können auch noch Erwachsene
erkranken; dann spricht man häufig von Sprue.
Wie genau es zu dieser Unverträglich kommt, ist unklar, doch spielt die Veranlagung dazu eine Rolle. Im Zusammenspiel mit anderen äußeren
Faktoren bricht dann die Krankheit aus.
Vorbeugen kann man ihr nicht, heilbar ist sie auch nicht, aber einmal erkannt, lässt sie sich durch einen dauerhaften Glutenverzicht therapieren. So kann sich die Darmschleimhaut regenerieren und die
Symptome werden in Schach gehalten.
3) Auch Ende August noch keine Ruhe für Pollenallergiker: Brennessel, Gräser, Beifuß und Ambrosia belasten schwer (08/12)
Dr. Rosemarie Benke-Bursian
Das Thema Heuschnupfen verbinden die meisten Leute mit dem Frühjahr, denn dann fangen Bäume, Sträucher und Gräser an zu blühen, ist
Pollenzeit. Doch auch der Spätsommer wartet mit Blühpflanzen auf, die Allergiker schwer belasten können.
Bis Mitte September ist mit mehr oder weniger starker Gräserblüte zu rechnen. Von Juni bis September hat außerdem die Brennnessel ihre Blühzeit, welche die Gräserbelastung verstärken kann, auch wenn
reine Brennnessel-Allergien selten sind.
Ein gewisses Risiko besteht aber durch sogenannte Kreuzallergien zu Getreide wie Weizen und Roggen. Das heißt, Betroffene mit Allergie gegen das eine, reagieren auch auf das andere.
Menschen mit Überempfindlichkeiten gegenüber harmlosen Stoffen müssen generell mit weiteren Allergien rechnen, wenn die Belastung nur hoch
genug ist. Sie sollten grundsätzlich potente Allergene meiden (Allergenkarenz), also auch im Spätsommer „auf der Hut“ bleiben.
Günstig, wenn man weiß, was an potenten Allergenen in dieser Zeit in der Luft hängt. Da tauchen im August und September nämlich zwei Pflanzen auf, die ganz besonders schwere Allergien hervorrufen
können: Beifuß und Ambrosia (Ragweed, beifußblättriges Taubenkraut).
Der Beifuß ist ein weit verbreitetes Wildkraut, das an jeder Straßenecke zu finden ist. Allergien auf Beifuß sind viel häufiger als
gemeinhin gedacht und Beifuß führt ebenfalls zu Kreuzallergien mit diversen Lebensmitteln, was diese Allergie besonders gefährlich macht.
Als extrem aggressiv gilt der Pollen von Ambrosia, eine sehr anpassungs- und widerstandsfähige Pflanze aus Nordamerika, die sich seit
Jahren in Deutschland ausbreitet. Sie liebt Straßenränder, Großbaustellen und Schutthalden. Inzwischen sind fast 20% der Pollenallergiker allergisch auf Ambrosia, das Risiko, dass sich daraus Asthma
entwickelt, ist besonders hoch.
Allen empfindlichen Menschen wird geraten, ihre Freizeitaktivitäten mit Hilfe von Pollenwarndienst und Pollen-Verbreitungskarten zu planen,
den Urlaub am Meer oder in Höhen über 700 Meter Meereshöhe zu verbringen, ihre Medikamente bereitzuhalten und im Zweifel einen Arztbesuch nicht aufzuschieben. Möglicherweise ist eine
Desensibilisierung bei ihnen der richtig Weg.
4) Neues vom Europäischen Allergiekongress: Mit neuen Immun-Therapien gegen Allergien (09/12)
Dr. Rosemarie Benke-Bursian
Die Immuntherapie soll dem Abwehrsystem helfen, die heftigen Reaktionen zurückzufahren, die es gegenüber harmlosen Stoffen ausübt. „Desensibilisierung“ heißt das Stichwort und sie wird seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich bei Insekten- und Pollenallergie eingesetzt. Der Patient bekommt dabei über mehrere Jahre einen kleine Menge des krankmachenden Eiweißes (Allergen), das entweder geschluckt oder gespritzt wird.
Bei Nahrungsmittelallergien war diese Methode jedoch bisher wenig erfolgreich.
Nun wurden im Sommer 2012 auf dem Kongress der europäischen Akademie für Allergie und Immunologie (EAACI) in Genf neue Studien vorgestellt.
Bei einer konnten Allergiker gegen Ei, Erd- oder Haselnüsse eine größere Menge dieser Lebensmittel vertragen, nachdem sie mit Hilfe der sogenannten spezifischen oralen Toleranzinduktion therapiert
wurden. Dabei mussten sie jeden Tag eine kleine Menge des allergieauslösenden Nahrungsmittels zu sich nehmen. Dadurch werde das Abwehrsystem lahm gelähmt, heißt es. Allerdings geht der Schutz meist
wieder verloren, wenn die Therapie unterbrochen wird.
Große Hoffnung wird aber auf eine andere neue Therapieform gesetzt: die sogenannte Patch-Immuntherapie. Bei dieser Form gelangen die
Allergene für die Desensibilisierung über Hautpflaster in den Körper. Mit Hilfe dieser Methode konnten Kinder mit Erdnuss oder Milchallergie anschließend mehr von diesen Nahrungsmittel zu sich
nehmen. Bei einem weiteren neuen Verfahren werden IgE-Antikörper gespritzt. IgE-Antikörper sind in jedem Organismus vorhanden und besonders bei den allergischen Reaktionen beteiligt. Bei dieser
Methode sollen über die gespritzten IgEs körpereigene Abwehrstoffe blockiert werden, so dass die allergische Reaktion ausbleibt. Welche dieser neuen Therapien sich auf Dauer durchsetzten wird, ist
aber noch nicht klar.
Jedoch hat die EAACI auch eine neue Kampagne gestartet, um die Sicherheit bei Allergikern zu verbessern. Europaweit sollen an öffentlichen
Orten künftig Allergie-Notfall-Spritzen bereit gehalten werden, die auch Laien leicht anwenden können. Sie können einem Allergiker im Akutfall das Leben retten.