Die Autorin und Wissenschaftsjournalistin ROSEMARIE BENKE-BURSIAN heißt Sie herzlich willkommen
    Die Autorin und  Wissenschaftsjournalistin                   ROSEMARIE BENKE-BURSIAN                          heißt Sie herzlich willkommen         

 

Kurzgeschichten

Leseproben

... und die Welt stand still ...

 

Einen Augenblick lang

 

...

Jetzt trat sie einen Schritt vor, legte den Kopf schief, um ein besseren Blick auf das kleine Gesicht zu haben. „Wie kann ich ...“ „Hier. Hier können Sie durchgreifen.“ Die Schwester zeigte auf die Öffnungen, die für die Hände vorgesehen waren. Und wieder wirkte sie, als wolle Clarissas Hände am liebsten selbst durch die Löcher stopfen. Doch die Schwester steckte ihre Hände in die Kitteltaschen und sagte: „Ich lasse sie jetzt allein. Wenn was ist, hier, dieser Knopf hier, ist ein Notruf.“ Ihr weißer Kittel raschelte, als sie mit energischen Schritten das Zimmer verließ. Statt mit den Händen durch die Öffnungen zu greifen, klopfte Clarissa ihre Fingerspitzen gegeneinander. Den Blick nicht von den geschlossenen Augenlidern im Brutkasten lassend, lauschte sie in sich hinein. Die Fingerkuppen flogen in immer schnellerer Abfolge gegeneinander. Vor ihr lag ein Bündel Sorge. Nicht nur für die nächsten Wochen oder Monate, eine Sorge auf Jahre. Wie der Arzt erklärt hatte, waren die Aussichten nicht günstig. Nicht nur die Lunge war unreif, es hatte Gehirnblutungen gegeben, eine Infektion musste abgewehrt werden und nun hatte sich auch noch eine extreme Gelbsucht entwickelt. Die Phototherapie, eine Behandlung mit einer Speziallampe gegen diese Gelbsucht, hatte abgebrochen werden müssen. Auf der Haut des Sorgenbündels hatten sich Entzündungsherde gebildet. Eine Bindehauthautentzündung war ebenfalls zu befürchten. Eine Sorge für immer.

 

 

Sonniger Sonntag

 

Die Uhr zeigte 9:15 Uhr. Sonntagmorgen, viertel nach neun. Christine starrte auf die Digitalanzeige, bis sie auf 9:16 Uhr sprang.
Sie könnte aufstehen, die Kaffeemaschine einschalten und unter die Dusche hüpfen, während der Kaffeeduft langsam durch die Wohnung zog.
9:17 Uhr.
Sie könnte aber auch liegen bleiben. Nichts trieb sie. Niemand wartete. Ein langer Sonntag lag vor ihr, und je früher sie aufstand, um so länger würde er werden. Warum also nicht den endlosen Tag durch spätes Aufstehen ein wenig verkürzen? Was könnte sie heute schon tun? Spazieren gehen?
Draußen schien die Sonne. Das helle Leuchten hinter den Vorhängen verriet es nur zu deutlich. Im nahen Park müsste es heute besonders schön sein. Um diese Jahreszeit blühte es überall. Dazwischen das junge Grün der Bäume, das Gezwitscher der Vögel. Der Springbrunnen war sicher auch schon eingeschaltet.
Aber da waren auch die anderen Leute. Die Cliquen der Jugendlichen, die Pärchen, die Familien. Die Kinder. Allesamt fröhlich, in Gespräche vertieft, lachend, Ball spielend, Eis essend. Wie würde es sich anfühlen, allein an all diesen fröhlichen Menschen vorbei zu gehen?
Nein! Kein Spaziergang.
Sie schloss die Augen. Besser noch eine Runde schlafen. Vielleicht würde sie sich nachher besser fühlen.

Durch das offene Fenster drangen Geräusche: Stimmen, Tellerklirren, zorniges Babygebrüll. Die Nachbarn wollten wohl auf der Terrasse frühstücken. Eine typische Mama-spricht-mit-Baby-Stimme verwandelte das Schreien in ein Glucksen. Stühle wurden gerückt. Eine keuchende, helle Jungenstimme erzählte in abgehackten Sätzen eine Geschichte von einem Crosslauf mit Freunden. Da draußen herrschte das muntere Sonntag-Morgen-Leben.
Mit einem Ruck erhob sich Christine aus dem Bett, um mit einem zweiten Ruck gegen das Fenster die Gute-Laune-Nachbarn auszusperren.

Stille.
Erdrückend und schwer.
Denn da war sie wieder: Traurigkeit. Einfach so. War von irgendwoher aus ihr selbst emporgestiegen, einen dicken Beutel voller Tränen im Gepäck. Wenn sie jetzt nicht aufpasste, würde der Tränenbeutel sich öffnen und doch keine echte Erleichterung bringen. Diese Wehmut würde immer wieder kommen und einen neuen Tränenbeutel mitbringen, von denen es mehr zu geben schien, als sie je würde weinen können.

 

 

Frau Wiedemann

 

Sabine saß, wie so häufig, gerade am Frühstückstisch und schlürfte ihren Kaffee. Wie immer war es um diese Zeit ganz ruhig. Kein Straßenlärm, keine Hausgeräusche. Doch halt, da flog „Rumms“ die Tür der Nachbarswohnung zu. Schlurfende Schritte, leise tapsende Pfoten. Frau Wiedemann ging mir ihrem Hund Boris spazieren. Ohne auf die Uhr zu schauen, wusste Sabine wie spät es jetzt war: zehn vor sieben. Nicht ungefähr zehn vor sieben, nein wenn die Tür ins Schloss fiel war es Punkt 6:50 Uhr. Und genau zehn Minuten später wurde der Schlüssel im Schloss herumdreht, um die Tür wieder aufzusperren. Nicht ungefähr zehn Minuten später, sondern Punkt sieben Uhr. Montags wie Dienstags und jedem anderen Tag der Woche, ja sogar am Wochenende.

 

Warum kann sie nicht einfach mal ausschlafen?, fragte sich Sabine oft, aber Frau Wiedemann dachte nicht daran. Tagaus, tagein, 6:50 Uhr: „Wumm“, 7:00 Uhr: „Knirsch“. Letzte Woche, letzten Monat, letztes Jahr und deshalb auch morgen und nächste Woche und bis in alle Ewigkeit.
Das ist doch krank! Sie wusste eigentlich nicht so genau, was sie daran störte. Im Grunde konnte ihr Frau Wiedemann egal sein. Sie kannte sie kaum, denn außer morgens mit Boris schien sie sich selten mal aus der Wohnung zu bewegen. Eigentlich eine Ideal-Nachbarin, wenn man sein Büro zu Hause hatte. Eine, die man weder hörte noch sah. Außer morgens. Diese ominösen zehn Minuten.

 

Konnte der Hund nicht mal Verstopfung haben oder Durchfall oder am besten sogar beides zusammen? Solche Gedanken konnte Sabine kaum vor sich selber zugeben. Sie schienen genauso albern, wie ihre neulich inszenierte Störaktion. Glücklicherweise ahnte niemand, dass es Absicht war, als sie eines Morgens mit freudiger Erregung, einen vermeintlich schweren Müllsack genau um 6:49 Uhr aus der Tür wuchtete und dann die Treppe hinunter schleifte. Jeder Schritt eine Mühsal. Stöhnend und ächzend brauchte sie ganze drei Minuten bis zur Mülltonne. Denn zuvor hatte sich dieser Sack doch tatsächlich noch in der Eingangstür verhakt. Natürlich hatte sie sich bei Frau Wiedemann entschuldigt, die geduldig hinter ihr die Treppe herunter gekommen war. Ebenso geduldig wie Boris, der altersschwache Cockerspaniel. Frau Wiedemann nickte nur freundlich und ging an ihr vorbei.
Ha! Sabine rieb sich die Hände. Und nun Frau Wiedemann? Es ist bereits 6:55! Das schaffst du nie!

Die vollständige Kurzgeschichte "Frau Wiedemann" kann auf dem Onlineportal "Kurzgeschichten Storys" von Andreas Mettler gelesen werden.

 

Sieger ist ...

 

Anja saß auf der Fensterbank im Gang zum Klassenraum der 9b. Sie beobachtete ihre Freundinnen Cynthia, Jessika und Sophie, die ein Plakat an der Wand gegenüber studierten.
„Na, habt ihr euch schlau gemacht?“ fragte Anja, als die drei zu ihr herüberkamen, und schlürfte ihre Saftpackung leer.
„Hast du das gelesen?“ fragte Sophie
„Nee, was gibt´s da? Einen neuen Mathewettbewerb für Hochbescheuerte?“ Anja drückte ihre Packung platt.
„Wettbewerb ist gar nicht so daneben“, grinste Cynthia, „allerdings in Tanzen.“
Anja warf die platte Pappe Richtung Mülleimer. „Tanzwettbewerb? Ist´n Joke, oder?“
„Nein, wirklich. Da ist ein Tanzwettbewerb ausgeschrieben. Heute in zwei Monaten. Zeit genug, sich vorzubereiten.“ Sophie schien bereits Feuer gefangen zu haben.
„Wollt ihr da etwa mitmachen?“
„Warum denn nicht?“ Jessika hatte sich neben Anja auf die Fensterbank gesetzt und biss herzhaft in ein Pizzastück.
„Ist doch mega-out. Ey, Leute, die Zeiten von „Dirty dancing“ und Co. waren vorgestern. Schon mitbekommen?“
„Ach komm, Anja, man kann tanzen, was man will. Wir könnten wieder in die Jazz-Tanzgruppe gehen und eine Choreographie einstudieren...“ Jessika stupste Anja freundschaftlich in die Seite.
„Jazztanzgruppe. Ich hör wohl nicht recht. Wisst ihr nicht mehr, wie ätzend das war?“
„Jetzt haben wir aber ein Ziel.“ Sophie versuchte, sich auf der anderen Seite von Anja auf die Fensterbank zu quetschen.
„Ihr habt das wohl schon beschlossen, was? Na, dann viel Spaß.“
„Mensch Anja, sei keine Spielverderberin. Jazztanz zu dritt find ich blöd.“ Cynthia schaute ihre Freundin stirnrunzelnd an.
Doch Anja wollte nicht. Dieser Tanzwettbewerb brächte nur zusätzliche Verpflichtungen. Nicht genug, dass sie zweimal die Woche nachmittags Unterricht hatten, sie musste auch ganz schön kämpfen, damit sie in Latein und Mathe nicht weiter abrutschte, sonst drohten Nachhilfestunden, oder sogar eine Ehrenrunde. Wo blieb da noch Zeit für Musik hören, Freunde treffen, Party machen? „Ich mach da nicht mit und wenn ihr euch den Mund wundlabert.“
Die Freundinnen gaben nicht so schnell auf, suchten immer neue Argumente. Schließlich stand Anja genervt auf und deutete Richtung Plakat. „Da, fragt doch Bette, die fette. Die scheint sich ja sehr dafür zu interessieren. Steht jedenfalls schon die ganze Zeit davor, als müsse sie jeden Buchstaben einzeln entziffern. Übrigens beginnt gleich Mathe, hat jemand von euch die Hausaufgabe kapiert?“
„Sag nicht ständig Bette, die fette.“ Cynthia schaute Anja noch strenger an.
„Soll sie doch weniger fressen.“ Anja zuckte die Achseln. „Und nimm deine Falten aus dem Gesicht, ist halt meine Meinung. Geh, frag sie, ob sie Bauchtanz mit euch macht, da macht sie bestimmt ne gute Figur.“ Sie drehte sich um und ging in Richtung Klassenzimmer, bemerkte aber noch wie ihre drei Freundinnen tatsächlich mit Bette redeten.

 

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