Die Autorin und Wissenschaftsjournalistin ROSEMARIE BENKE-BURSIAN heißt Sie herzlich willkommen
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Kinder- und Jugendgeschichten

Leseproben

Tilly und Mordusa

 

Tilly hext - oder auch nicht

 

Gerade als Tilly den Topf von der noch heißen Ofenplatte schubste, steckte Mordusa den Kopf durch die Tür.
„Ahh, ich sehe du kochst. Wie interessant", sagte sie und ehe Tilly sich´s versah, stand Mordusa schon hinter ihr und spähte in den Topf.
„Sieh mal an", schnarrte sie, „das ist dir wohl misslungen?"
„Wieso misslungen?", fragte Tilly verwundert und blickte Mordusa fest in die Augen.
„Na der Eintopf da, der ist ja total verkohlt."
Mordusa rieb sich frohlockend die Hände. Jetzt hatte sie Tilly erwischt. Diesmal war ihr eindeutig eine Zauberei missraten. Und eine Hexe, die dreimal innerhalb eines Mond-Umlaufs beim Hexen versagte, musste Hexenmondtal verlassen, ihr Dasein fort-an bei den Halb- und Scheinhexen fristen.
„Was heißt denn hier Eintopf?" Tilly schüttelte den Kopf. „Das ist Asche. Beste Asche für meine Blumen."
„Asche? Asche für deine Blumen?", geiferte Mordusa. „Willst du mich für dumm verkaufen? Das ist verbrannter Eintopf. Ein misslungener Zauberspruch. Eine verkorkste Hexerei und sonst nichts. Und dabei hast du dich erst letzte Woche verzaubert, als du Piponella diesen blauen Saft hingestellt hast, obwohl sie sich einen Zitronenprickel gewünscht hatte."
„Das war Zitronenprickel, meine Liebe. Zitronen-prickel aus blauer Zitrone." Tilly ließ sich von den Anschuldigungen offensichtlich nicht beeindrucken, was Mordusa erst recht wütend machte.

  

Tilly war die einzige Hexe in ganz Hexenmondtal, die Mordusa nicht mit dem Respekt behandelte, der einer Edelhexe gebührte. Schon Mordusas Mutter und sogar ihre Großmutter waren Edelhexen gewesen, Hexen mit besonderen magischen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten wurden für gewöhnlich weitervererbt, weshalb auch Mordusa als Edelhexe galt.
Allerdings hatte es bei ihr mit dem Weitervererben aus irgendeinem Grunde nicht geklappt. Doch das wusste niemand, denn Mordusa hatte immer alle in dem Glauben gelassen, sie sei eine Edelhexe. Das brachte ihr in der Hexen- und Magiergemeinschaft einen hohen Rang und viele Privilegien ein. So wohnte sie in einer großen Villa in einer besonders ruhigen und gepflegten Gegend von Hexenmondtal, in dem nur Edelhexen wohnten. Sie konnte in aus-gesuchten Geschäften besonders seltene Zauber-Gegenstände und Zubehör erwerben und sie hatte eine Stimme in der Magierversammlung, dass heißt sie wurde an wichtigen Entscheidungen, die ganz Hexenmondtal betrafen, mit beteiligt. Entsprechend stolz trug sie das Edelhexen-Zeichen, das allen Respekt einflößte: den Edelhexenstein.
Nur Tilly, diese verdammt vorlaute und freche Tilly, behandelte Mordusa wie ihresgleichen, fast so, als glaube sie nicht an ihren Edelhexen-Rang. Ausgerechnet diese nichtsnutzige Scheinhexe könnte ihr womöglich eines Tages zum Verhängnis werden. Dem wollte sie gerne zuvorkommen, indem sie Tilly deren Unfähigkeit nachwies, so dass diese aus Hexenmondtal verjagt werden musste. Diese Chance schien jetzt zum Greifen nahe.
     

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Eine besonders lange Leseprobe (4 Seiten)

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Leseprobe aus

Zacke auf Zack

 

Kapitel 1

„Wo willst du denn noch hin? Es gibt bald Abendessen!" Mit du meinte meine Mutter offensichtlich mich, denn weder mein Bruder noch mein Vater waren in der Nähe. Mich, Zacke, fast elf Jahre alt. Das Gegenteil von einer Zicke und immer auf Zack. Na ja, diesmal wohl nicht, sonst hätte meine Mutter nicht entdeckt, wie ich aus der Haustüre schlüpfen wollte. „Ähm, ja, also ... ich wollte nur noch mal schnell zu Phillip, wegen einer Hausaufgabe." Ich hasste Lügen. Doch diese verbuchte ich für mich selber unter Notlüge. Notlügen waren erlaubt. Im Moment sogar notwendig, denn in Not befand ich mich gerade. Vorsichtshalber schaute ich zur Tür hinaus, einen Fuß bereits über der Schwelle. Schließlich sollte meine Mutter mein Gesicht nicht sehen können. Für alle Fälle. Falls da Notlüge drin stand. Meine Mutter konnte nämlich wunderbar Gesichter lesen. Selbst wenn man gar nichts reinschrieb, ahnte sie, was da nicht stand. Und Hausaufgabe klang irgendwie bescheuert. Ich hatte meine fertig und Phillip war so gescheit, dass er sowieso nie Hilfe brauchte. „Zarah?" Zarah bin ebenfalls ich, Sarah mit Z. Mutters Lieblingsname. Nun musste ich immer sagen: Ich heiße Zarah, wie Sarah, nur mit Z, was ich ziemlich blöd fand. Deshalb ließ ich es meistens bleiben und so nannten mich viele einfach Sarah, so wie sie es eben kannten. Meinem kleinen Bruder Max hatten sie es nicht so schwer gemacht. Max hieß tatsächlich Max und nicht etwa Maks. „Ja?", sagte ich und setzte den zweiten Fuß über die Schwelle, wollte endlich los. Antonio würde schon ungeduldig warten. „In einer halben Stunde bist du aber bitte zurück." „Ja, ja". Auweia, das würde nie und nimmer reichen. Phillip war krank und nur Antonio und ich wussten warum. Deshalb mussten wir helfen, ihn gesund zu machen. Auch wenn das für uns eine gewaltige Mutprobe werden würde. Ich zog die Wohnungstür hinter mir zu und hastete die Treppen hinunter. Auf der Straße hielt ich nach Antonio Ausschau. Er wohnte in dem Häuserblock neben uns. Diesen Häuserblock hatten sie noch an das Ende unserer Sackgassen-Straße gesetzt, nachdem die anderen Häuser schon fertig waren. Wir bewohnten in einem Zweifamilienhaus das obere Stockwerk. Unter uns wohnten die Besitzer, ein älteres Ehepaar. Antonio war nirgends zu sehen. Sein Fahrrad stand verwaist neben meinem im Fahrradständer an der Seite des Häuserblocks. Mit einem flauen Gefühl im Magen schaute ich nach oben zu seinem Kinderzimmerfenster. Tatsächlich, dort stand er, mit den Fingern das verhasste „H" formend. Oh nein! Ausgerechnet heute. Ausgerechnet jetzt!

Wölfen auf der Spur

 

Streifenwolf

 

Über Wolfs Geburt waren seine Eltern überglücklich. Als er zehn Tage später seine Mutter anblickte, rief sie entzückt: „Sieh nur, was für hübsche Augen er hat!“
Vater Wolf eilte herbei, doch ihm fiel etwas anderes auf. „Was sind denn das für helle Stellen in seinem Fell?“
„Helle Stellen?“ Mutter Wolf beäugte ihr Kind von allen Seiten. „Das sind nur die Reflexionen der Sonne von draußen.“
„Hm“, brummte Vater Wolf zweifelnd und Mutter Wolf spürte eine seltsame Unruhe in sich aufsteigen.
Wolf merkte davon nichts. Das Einzige, was er spürte, war die Liebe seiner Eltern. Mehr brauchte er im Moment nicht.
Einige Tage später war es nicht mehr zu übersehen: Wolfs Fell war an manchen Stellen außergewöhnlich hell. Vater Wolf wiegte besorgt den Kopf. Normalerweise wurden Wolfswelpen mit schwarzem Fell geboren, das sich dann später aufhellte.
„Ich will dir was sagen“, meinte Mutter Wolf, „das ist nur ein bisschen Schmutz.“
„Schmutz? Wie sollte er denn hier schmutzig werden oder säuberst du ihn nicht?“
„Natürlich!“, empörte sich Mutter Wolf. „Aber das ist wohl ein sehr hartnäckiger Dreck. Ich werde ihn gleich mal gründlich lecken.“
Und Mutter Wolf leckte Wolfs Fell, bis ihre Zunge voller Haare und der Pelz des Kleinen nass und glänzend war.
„Siehst du“, sagte sie, „alles wieder sauber.“
„Tatsächlich. Du hast recht gehabt.“
Beruhigt schaute der Vater auf Wolfs dunkel-silbergrau schimmerndes Fell. Am nächsten Tag waren die hellen Stellen wieder da, jetzt sogar noch deutlicher.
„Wie kann das denn sein?“ Vater Wolf war entsetzt. „Das Lecken hat nichts genützt.“
Mutter Wolf seufzte. „Da hilft nur gründlich waschen. Wir gehen zum Fluss. Wolf ist groß genug.“
Am Fluss schrubbten die Eltern Wolfs Fell so fest, bis dieser anfing zu wimmern.
„Wir müssen aufhören.“ Mutter Wolf nahm ihren Sohn tröstend zwischen die Pfoten. Zitternd und verwirrt schmiegte er sich an sie.
„Es muss etwas anderes sein“, sagte Vater Wolf und betrachtete seinen Sohn. Hier in der Sonne waren die hellen Stellen noch deutlicher erkennbar. Das Schrubben hatte kein bisschen genützt. „Vielleicht ist er krank?“
„Nein“, sagte die Mutter. „Das hätte ich doch gemerkt. Komm, wir gehen zurück. Bestimmt wächst es sich einfach raus.“
Diese Hoffnung wurde in den nächsten Tagen jedoch zunichte gemacht.
„Schau dir das an. Das sind ja richtige Streifen. Unser Kind ist gestreift!“ Vater Wolf lief unruhig auf und ab.
„Dann hat er eben Streifen. Sicher gibt es woanders auch Wölfe mit Streifen. Sie sind eben selten und Wolf ist etwas Besonderes“, sagte Mutter Wolf.
„Oder er hat die Streifenkrankheit“, gab der Vater zu bedenken.
„Davon habe ich aber noch nie gehört.“ Die Mutter schüttelte den Kopf.
„Ich werde Grauwolf, den Weisen, aufsuchen. Der weiß sicherlich, was das ist.“
Vater Wolf war froh, dass ihm diese Idee gekommen war, und verschwand. Der weise Grauwolf wiegte bedächtig seinen Kopf. Nein, von Streifenwölfen hatte er noch nie etwas gehört. Von einer Streifenkrankheit aber auch nicht.
„Am besten, ich schau mir den Kleinen einmal an“, meinte er. Als der Grauwolf Wolf beäugte, wich dieser ängstlich zurück. Er spürte genau, dass etwas nicht in Ordnung war und dass das mit ihm zu tun hatte. „Sehr seltsam“, sagte der Grauwolf. „Sehr ungewöhnlich. Hm. Höchst beunruhigend.“
„Was ist beunruhigend?“, fragte Mutter Wolf.
„Es könnte ja immerhin doch eine Krankheit sein. Eine seltene Krankheit. Womöglich schlimm und ansteckend.“
„Ach was!“ Mutter Wolf wurde böse. „Schau dir das Kind doch mal richtig an, wie quietschfidel und gesund es ist.“
„Das sehe ich aber nicht“, brummte der Grauwolf. „Ich finde, er sieht blass und verkrampft aus.“
„Na kein Wunder, wenn du ihm solche Angst machst. Wir alle machen ihm Angst. Geh bitte, wenn du uns nicht helfen kannst“, sagte Mutter Wolf und schob Wolf hinter sich.
„Wie du meinst.“ Der weise Wolf verschwand.
Am nächsten Tag wussten alle Bescheid. Neugierig schlichen sie immer wieder an der Höhle vorbei, doch keiner traute sich hinein. Wolfs Streifen wurden von Tag zu Tag deutlicher. Ansonsten war er ein kräftiges, verspieltes Kerlchen, das seinen Eltern viel Freude machte.

„Es ist Zeit, dass er auch mal die Höhle verlässt“, beschloss Mutter Wolf eines Tages.
„Au ja!“, rief Wolf voller Freude. „Ich will raus und mit den anderen spielen.“
Etwas skeptisch stimmte Vater Wolf zu und Wolf stürmte ins Sonnenlicht hinaus. Als hätten sie nur darauf gewartet, standen mindestens zehn Wölfe in einiger Entfernung vor dem Eingang und starrten Wolf staunend an.
„Oh.“
„Du liebe Zeit, wie sieht der denn aus?“
„Der ist ja wirklich gestreift!“
„Ein Monster!“
Wolf blieb mitten im Lauf stehen. Was hatten die denn? Meinten sie ihn? Machten sie Spaß? Vorsichtig ging er auf die Wölfe zu, doch sie wichen zurück. Nanu, dachte Wolf. Haben die Angst vor mir?
„Wolf, komm her!“, rief die Mutter.
Verwirrt wandte der Kleine sich von der Gruppe ab und folgte seinen Eltern zum Fluss. Hier waren sie allein. Wolf bestaunte die Blumen, die Bäume, die Vögel und hatte das komische Verhalten der anderen Wölfe bald vergessen. Doch schon am nächsten Tag wurde er daran erinnert. Gerade wollte er nach einem Spielkameraden suchen, da riefen die anderen Wolfseltern ihre Kinder zurück. So ging es nun jeden Tag. Die erwachsenen Wölfe machten einen großen Bogen um ihn und die Kinder durften nicht mit ihm spielen. Das Getuschel war unüberhörbar. Schließlich sangen die Wolfskinder ein Spottlied, wenn er auftauchte: „Streifenwolfi, trallala … sieht ja aus wie ein Zebra.“
Wolfi traute sich nicht mehr hinaus und weinte sich abends in den Schlaf. Seine Eltern konnten ihn kaum trösten.
„Warum, Mama, warum?“, fragte er.
„Weißt du, Wolf“, meinte sie, „die anderen müssen sich erst an deine Streifen gewöhnen. Aber eines Tages werden sie merken, was für ein netter Kerl du bist, und werden deine Streifen nicht mehr beachten.“
Leider sah es aber ganz nach dem Gegenteil aus. Das Gehänsel nahm zu, die Stimmung unter den Wölfen wurde unfreundlich und zänkisch. Schließlich teilte der Grauwolf der Familie mit: „Die Gruppe ist zerstritten. Einige Wölfe finden, dass Wolf aufgenommen werden sollte, die meisten aber haben Angst vor ihm. Sie glauben, dass er etwas Böses in die Gemeinschaft bringen würde. Der weise Rat hat getagt und eine Entscheidung gefällt: Wolf muss gehen.“
Wolf riss die Augen auf. Was? Er sollte die Familie verlassen? Er sollte verjagt werden?
Schützend sprang seine Mutter vor ihn. „Ich soll mein Kind verstoßen? Niemals! Er ist viel zu klein für die Wildnis da draußen.“
Auch Vater Wolf kam drohend heran. „Das soll einmal einer wagen, Wolf wegzuschicken. Der wird schon sehen. Das werde ich nie zulassen.“

Alles nur ein Märchen?

 

„Vor langer, langer Zeit ...“

„Weiter“, rief Alvin.
„Als vor uralten Zeiten ...“
„Weiter.“ Alvin wusste genau, welches Märchen er hören wollte, und so rief er „weiter“, bis die Stimme mit „Es war einmal in grauer Vorzeit, als die Erde noch ein blauer Planet genannt wurde ...“ begann.
Zufrieden kuschelte er sich in sein Kissen, zog die Bettdecke bis zum Kinn und starrte auf den Bildschirm an der gegenüberliegenden Wand. Endlich tauchte dort die blauweiße Kugel vor schwarzem Hintergrund auf. Er liebte dieses Bild. Dieses und die nächsten, die noch kamen: Urwälder, exotische Tiere, Wasserfälle. Beim Meeresrauschen schlief er ein und träumte, dass er auf einem wilden Tiger über den Sandstrand ritt.

 

„Aufstehen, heute ist doch Gruppenunterricht-Tag in der Schule.“
Verschlafen rieb Alvin sich die Augen. Seine Mutter hatte sich über ihn gebeugt und drückte heftig in die Knöpfe ihres Handcomputers.

„Beeil dich, ich muss heute früher weg. Ich habe gerade ein Fahrzeug für acht Uhr bestellt.“
„Aber Mam, kann ich nicht alleine fahren? Ich muss doch erst um neun in der Schule sein.“
„Zwei Fahrzeuge, nur damit du eine Stunde länger hier herumtrödeln kannst? Du weißt, wir haben unser Transportkontingent für diesen Monat schon fast ausgeschöpft. Und du wolltest heute Nachmittag noch in den Bücherpavillon. Es sei denn, du verzichtest darauf.“
„Nein, ganz bestimmt nicht.“ Alvin sprang mit einem Satz aus dem Bett und saß fünf Minuten später an der Frühstücksbar. Nachdem er sein Müsli gemixt und Saft aus dem Automaten gezapft hatte, schaute er aus dem Fenster. Ein leichter Wind wirbelte rötlichen Lehmstaub auf. Die schroffen Abhänge der nahe gelegenen Felsenkette standen dunkel vor bleiernem Himmel. Jeden Tag das gleiche Bild.
„Du träumst mal wieder, Alvin. Es ist fünf vor acht. Du weißt, der Wagen wartet nur zehn Minuten, dann fährt er zurück zum Fahrzeug-Pool und wir müssen trotzdem zahlen.“
„Oh ... natürlich.“ Alvin stürzte seinen Saft hinunter. Er wollte auf keinen Fall seinen Besuch im Bücherpavillon riskieren. Dann verfiel seine Eintrittskarte, die er von Professor Kalonymos als Belohnung für seinen Vortrag über den Wasserkreislauf erhalten hatte. Und wer weiß, wann dann die nächste Gelegenheit zu so einem Besuch kam.
Seiner Mutter bedeutete das nichts. „Du hast genügend elektronische Bücher“, sagte sie ständig, und „in den Papierbüchern steht immer nur eine Geschichte, so eine Verschwendung.“
Als sie im Fahrzeug saßen, tippte seine Mutter zuerst „Schule“ und dann „Krankenhaus“ in den Bordcomputer.
„Was macht ihr heute?“, wandte sie sich an Alvin, während der Wagen anfuhr.
„Professor Kalonymos will mit uns einen Naturgarten anlegen.“
„In der Schule?“
„Draußen, gleich neben der Sportanlage.“
„Bekommt er denn dafür zusätzliches Wasser?“
„Er will uns zeigen, wie man natürliche Wasserspeicher nutzt, und ...“
„Ach Kind, der alte Kalonymos war ja schon immer ein bisschen spinnert, aber dass er jetzt für so ein Projekt die Erlaubnis bekommt ... Du glaubst doch nicht etwa, dass das irgendeine Aussicht auf Erfolg hat?“
„Aber irgendwie muss es doch gehen. Früher ...“
„Nichts früher. Alles Märchen,  ..."

Die vollständige Kurzgeschichte "Alles nur ein Märchen?" kann auf dem Onlineportal "Kurzgeschichten Storys" von Andreas Mettler gelesen werden.

 

Verrechnet!

 

Diese Tür zu öffnen war ihm strengstens verboten. Ohne Ausnahme. Und wie um dem Verbot Nachdruck zu verleihen, war die Tür stets abgeschlossen.
Heute stand sie offen.
Benni starrte auf den schmalen Spalt, der einen begrenzten Blick in das Innere des verbotenen Schrankes gewährte. Weiße Papierstapel schimmerten ihm entgegen. Die Lösung seines Problems.

Wie ein Geschenk und zum Greifen nah.
Sein Vater war längst in der Schule. War davon gehastet und hatte vergessen die Türe zu schließen. Ein aufgeschlagener Ordner mit geöffneten Ringen sowie einige lose Dokumente auf dem Schreibtisch erzählten von der Eile des Vaters, der heute ausnahmsweise noch einmal zurückgekommen war, da er etwas Wichtiges vergessen hatte. Ausgerechnet heute, da Lehrerkonferenz war.

Sein Vater hasste Unpünktlichkeit.
Die Mutter war einkaufen. Es würde etwas länger dauern, bis sie zurück kam, denn sie wollte nach dem Supermarkt noch zur Apotheke. Ein paar Medikamente für Benni besorgen. Denn Benni war krank. Seit zwei Tagen quälten ihn Magen-Darm-Beschwerden. Doch die Lösung seiner Magen-Darm-Grippe lag nicht in irgendwelchen Medikamenten, sondern hier in diesem Schrank.
Dass der Erreger seiner Beschwerden kein Virus war, sondern ein Mitschüler, hatte Benni wohlweislich verschwiegen. Nicht auszudenken, was sein Vater in der Schule für eine Wirbel veranstaltet hätte. Nein, einen Lehrer als Vater zu haben, der sich in alles einmischte, machte die Sache nicht einfacher.
Oder doch?
Immerhin hatte Benni nun Zugang zu den gewünschten Papieren. Den Matheaufgaben für die Klasse 9a; die Klasse in die Niclas ging.


Niclas war groß, kräftig und niemand legte sich gerne mit ihm an, denn er war auch nicht zimperlich, wenn er seine Interessen durchsetzten wollte. Da er zudem ein gefährlicher Torjäger beim Fußball war, wollten seine Mitschüler ihn lieber zum Freund als zum Feind haben.
Benni, der nicht zuletzt wegen seiner schmächtigen Figur, körperlichen Auseinandersetzungen gerne aus dem Weg ging, war froh, wenn Niclas ihn mit Nichtbeachtung strafte. Doch nun drohte Niclas wegen Mathe durchzufallen und Benni rückte in den Mittelpunkt seines Interesses. Unter Androhung von Schlägen, hatte er versucht von Benni Tipps für die  nächsten Prüfungsaufgaben zu bekommen. Doch dieser hatte keine Ahnung, was für Aufgaben sein Vater sich erdacht hatte. Die lagen fest verschlossen samt Lösungen im verbotenen Schrank. Und der war ja immer abgeschlossen.
Dann kam der letzte Montag, an dem Benni allein im Zimmer der Biologie-Materialsammlung gewesen war. Er interessierte sich sehr für die Naturwissenschaften. Deshalb hatte er sich freiwillig gemeldet, die Materialsammlung in Ordnung zu halten. Begeistert hatte er mit Professor Schill die Präparate der Spinnentiere sortiert. Dabei hatte es ihm vor allem der kleine Bücherskorpion angetan. Ein nützliches Tier für Bücherfreunde, denn er fraß nicht die Bücher, sondern die Staubläuse, welche die alte Bücher zerstören konnten. Der kleine Pseudoskorpion namens Chelifer cancroides war in einer großen Glasbox untergebracht und wann immer Benni ihn betrachtete, stellte er sich vor wie Hunderte, nein Tausende, dieser Tierchen in den Bibliotheken die Bücher von Staubläusen befreiten.
Professor Schill war für eine Woche verreist und Benni hatte sich den Schlüssel von der Sekretärin besorgt. Er hatte ein paar Fotos von Zitterspinnen auf vorbereitete Textvorlagen geklebt und dann in den passenden Ordner sortiert. Als er den Ordner zurück ins Regal stellte, hörte er hinter sich ein Geräusch. Irritiert drehte er sich um. In der Tür stand Niclas. Breit grinsend.
„Bis Freitag brauche ich die Aufgaben.“
„Ich kann Dir aber nicht helfen.“
„Wetten das?“ Niclas öffnete seine rechte Hand. Zum Vorschein kam Chelifer cancroides. Der Bücherskorpion.
„Was soll das? Gib den sofort wieder her!“
„Was glaubst du wohl, wen man verdächtigt, wenn er fehlt? Mich hat niemand gesehen. Ich bin offiziell bei Max zum Lernen. Er ist mein Zeuge!“ Niclas schob die Glasbox in seine Jackentasche. „Also dann. Wenn Du mir die Lösungen bringst, bekommst Du Deinen Freund wieder.“
Niclas drehte sich um und verschwand.

Viele Minuten verstrichen bis Benni sich wieder rühren konnte. Wie er es auch drehte und wendete, er sah keine Chance, seinen Mitschüler des Diebstahls zu beschuldigen. Jetzt um diese Uhrzeit, war außer der Sekretärin und der Klasse, die Nachmittags Sport hatte, niemand in der Schule. Wenn Niclas nicht gesehen werden wollte, war es keine Kunst, das zu verhindern.
Am Abend wurde Benni übel. Am nächsten Tag meldete die Mutter ihn krank.

 

Langsam ging Benni in das Arbeitszimmer seines Vaters. Eigentlich hatte er einfach einen Stift holen wollen. Doch jetzt hatte er nur noch Augen für den geöffneten Schrank.

Die vollständige Kurzgeschichte "Verrechnet" kann auf dem Onlineportal "Kurzgeschichten Storys" von Andreas Mettler gelesen werden.

 

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